Fellnase Alfons – ein neuer Kindergartenmitarbeiter auf vier Pfoten
Folgende Mitteilung haben wir vom Kindergarten Am Brunnen erhalten:
Seit einiger Zeit bekommt der Kindergarten Am Brunnen in Wolnzach regelmäßig Hundebesuch

Mit Alfons lernen die Kinder nicht nur den richtigen Umgang mit einem Tier, sondern werden auch in ihrem Selbstvertrauen gestärkt.
Kita-Hunde sind in Bayern noch eher selten – und das, obwohl der pädagogische Mehrwert tierischer Mitarbeiter unumstritten ist: Kinder gewinnen im Umgang mit Hunden Selbstvertrauen, lernen Regeln und Verantwortung, Empathie und Einfühlungsvermögen, sie können Beziehungen auf und Ängste abbauen, und sie üben, Signale der nonverbalen Kommunikation richtig zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren. Wenn die Kinder mit dem Hund spielen, wenn sie ihn streicheln oder ihm ein Leckerli anbieten, werden viele verschiedene Sinne angesprochen – Sehen, Hören, Fühlen und auch Riechen. Dann spüren sie nicht nur das weiche Fell oder die nasse Nase, sondern auch ihren eigenen Körper und werden so in ihrer Selbstwahrnehmung gestärkt.
Ein Herzensprojekt der Kindergartenleitung
Für Merkle wird nun ein lang ersehnter Traum Wirklichkeit. In der festen Überzeugung, dass der Einsatz von Tieren Kindern hilft, wesentliche Fähigkeiten und Fertigkeiten v.a. im Bereich der sozio-emotionalen Kompetenzen zu erwerben, hat sie mit ihrem Lagotto Romagnolo Rüden Alfons als Mensch-Hund-Team in den letzten 15 Monaten intensive Trainingseinheiten in der Hundeschule absolviert und die Ausbildung zur „Fachkraft für tiergestützte Intervention“ erfolgreich abgeschlossen. Sie hat nicht nur ein ausführliches pädagogisches Konzept erarbeitet, indem sie die Vorteile für die Kindergartenkinder und den Alltag mit dem Hund im Kindergarten darlegt, sondern gemeinsam mit Alfons auch eine praktische Prüfung absolviert.

Der lange Weg vom Hund zum Kindergartenhund
Mit ihrem pädagogischen Konzept hat Merkle das eigene Kindergartenteam und auch den Träger, die Marktgemeinde überzeugt. Der weitere Weg war nicht ganz einfach. Tierische Mitarbeiter wie Alfons werden zwar bundesweit seit einigen Jahren vereinzelt in Kitas eingesetzt, insbesondere in Bayern gibt es dafür jedoch noch keinen einheitlich vorgeschriebenen Weg.
In Abstimmung mit dem Jugendamt Pfaffenhofen hat Merkle alle organisatorischen und bürokratischen Fragen geklärt und sämtliche Hürden überwunden: Über die Ausbildung in der tiergestützten Pädagogik hinaus musste Alfons zunächst in einem Wesenstest bei der Hundeschule beweisen, dass er grundsätzlich als Kindergartenhund geeignet ist. Anschließend hat er eine Begleithundeprüfung abgelegt. Schließlich wurde ein tierärztlicher Gesundheitscheck vorausgesetzt, der in Zukunft jährlich durchgeführt wird.
Diesen langen Weg hat Merkle mittlerweile hinter sich gebracht und kann mit ihrem Alfons nun Vorbild und Wegbereiterin für andere Kindertageseinrichtungen in Bayern und der Region sein.
Stellenbeschreibung eines Vierbeiners
Wie bei zweibeinigen Mitarbeitern, so gilt auch bei Vierbeinern: Nach abgeschlossener Ausbildung erfolgt zunächst die Einarbeitung. Alfons begleitet sein Frauchen bereits regelmäßig in den Kindergarten und hat in ihrem Büro dort seinen festen Platz. Als Kindergartenhund ist Alfons für die Kinder bisher noch wenig präsent, noch sind die Kinder eher in der Beobachter-Rolle. Sie treffen Alfons bei seinem Frauchen im Büro oder mal kurz beim Kommen oder Gehen im Garten. In Begleitung darf er gestreichelt und manchmal sogar mit einem Leckerli belohnt werden.
Nachdem die Eingewöhnung aber abgeschlossen ist, soll Alfons sein Frauchen bald häufiger durch den Kindergarten begleiten. Und Merkle möchte mit ihm in Zukunft Angebote aus der tiergestützten Pädagogik fest im Kindergarten etablieren. So plant sie zum Beispiel, regelmäßige Spaziergänge anzubieten, gezielte Suchspiele oder Tricks anzuleiten und ein Lapbook über den Hund zu erarbeiten. Es fehlt ihr nicht an Ideen: Für Kinder, die nicht neu im Kindergarten sind, möchte sie auch einen Hundeführerschein einführen, in dem die Kinder noch mehr über Alfons lernen können. Während Alfons als Kindergartenhund also grundsätzlich für alle Kinder in der Einrichtung präsent ist, möchte Merkle bei der Auswahl der Kleingruppen intensiv auf individuelle Bedürfnisse einzelner Kinder eingehen. – Was sie dabei immer wieder motiviert? „Die Freude der Kinder an Alfons, die positive und einmalige Wirkung von Alfons auf die Kinder“, so Merkle.
Alfons wird für seinen „Job“ im Kindergarten feste Arbeitszeiten mit ausreichend Ruhezeiten und Pausen haben, denn er soll ein Mitarbeiter, nicht ein Spielzeug für die Kinder sein. Im Sinne des Tierwohls, aber auch zum Schutz der Kinder werden künftig daher mit allen Kindern im Kindergarten grundlegende Verhaltensregeln erarbeitet. Für die Interaktion zwischen Kind und Hund gilt grundsätzlich, dass Alfons immer nur im Mensch-Hund-Team mit seinem Frauchen im Kindergarten präsent und aktiv ist – so können die Bedürfnisse von Kind und Hund geachtet und berücksichtigt werden. Für die Durchführung gezielter Angebote einzelner Kinder mit Alfons wird außerdem vom Team die Einverständniserklärung der Eltern eingeholt.
Auftakt mit Fachvortrag
Die Leitung und das Kindergartenteam sind bisher vom Konzept der tiergestützten Pädagogik überzeugt und freuen sich auf den Einsatz von Alfons als Kindergartenhund. Um die komplette Elternschaft ins Boot zu holen, findet am Dienstag, den 24. Juni um 19 Uhr im Kindergarten Am Brunnen ein Fachvortrag zu diesem Thema statt. Alle Interessierten auch von außerhalb der Kindergartengemeinschaft sind dazu herzlich eingeladen.

